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Zwergfledermäuse haben sich ein Hotelzimmer genommen.

(tm) Das war auch für das Team des Allwetterzoo Münsters ein besonderer Einsatz. „Normalerweise sind wir für Tiere jedweder Art, die außerhalb des Zoogeländes unterwegs sind, nicht verantwortlich. Aber der Bitte des Möwenpick Hotels Münster sind wir gerne nachgekommen und haben da ausnahmsweise einmal Nachbarschaftshilfe betrieben“, sagt der Senior-Kurator des Allwetterzoo Münsters, Marcel Alaze, zu einem besonderen Einsatz.



Was war geschehen? „Ein Fenster eines nicht belegten Zimmers des Münsteraner Mövenpick Hotels war auf Kipp offengeblieben“, fasst Alaze die Ausgangslage zusammen. So konnten gleich mehrere Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) in eines der Hotelzimmer gelangen. Dabei war das Kippfenster der tatsächliche Knackpunkt. „Das Kippfenster führte zu der Fallenwirkung. Die Tiere kamen zwar hinein, fanden aber nicht mehr heraus. Bei weit geöffnetem Fenster wären die Tiere wahrscheinlich einfach wieder herausgeflogen“, ergänzt Dr. Claudia Normann-Bruckner, Untere Naturschutzbehörde. „Fledermäuse sind sehr soziale Tiere. So kann es passieren, dass durch Sozialrufe der in der Falle sitzenden Tiere noch weitere Tiere angelockt werden.“



Auch wenn das Personal des Mövenpick Hotels immer nur das Wohl seiner Gäste im Fokus hat, sollten diese tierischen Gäste nicht nur aus hygienischen Gründen das Hotel umgehend wieder verlassen. Gleich mehrere Personen hatten sich deswegen im fünften Stock eingefunden und die Situation beurteilt. „Da waren gleich mehrere dutzende Tiere, die sich hier einquartiert hatten. Wir mussten uns also überlegen, wie wir die Tiere entnehmen, ohne ihnen zu viel Stress zumuten zu müssen“, beschreibt der Senior-Kurator das Vorgehen. Der Plan war deswegen, die Tiere vorsichtig in ihrer täglichen Ruhephase zu fangen und in eine kleine, dunkle provisorische „Höhle“ zu überführen. Die Notunterkunft musste zudem transportabel sein. „Wir arbeiten auch sonst sehr eng und gut mit dem Mövenpick Hotel in anderen Bereichen zusammen. Dennoch haben wir uns die Genehmigung von der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt, da wir hier außerhalb unseres Zuständigkeitsbereiches gearbeitet haben. Die Kollegen waren dann auch mit vor Ort und haben uns bei der Aktion unterstützt“, so Alaze.



Nachdem die 36 Zwergfledermäuse umgezogen waren, wurden diese an einen stillen und dunklen Ort gebracht. „Gegen Abend sind wir dann erneut zum Hotel und haben die Notunterkunft auf dem Hoteldach platziert und geöffnet. Die Fledermäuse konnten dann über Nacht eigenständig aus der Box fliegen“, erinnert sich Marcel Alaze, der zu diesem Zweck ein zweites Mal zum Hotel gefahren war.



Das Zwergfledermäuse ein Zimmer okkupieren ist zu dieser Jahreszeit indes keine Seltenheit. „Die Quartiere der Zwergfledermaus sind meist im Siedlungsbereich des Menschen. Sie gelten als fester Bestandteil des dörflichen und städtischen Naturlebens“, sagt Alaze. „Sie jagen auch in Parks, Alleen, am Ufer von Teichen und Seen oder Waldrändern.“ Ferner jagen sie unter anderem auch entlang von Straßen.



Aktuell ist die Zeit, in der die Wochenstuben, hier wurde der Nachwuchs großgezogen, aufgelöst werden. Es wird dann von sogenannten Invasionen in Gebäude gesprochen. „Invasionen finden von Mitte August bis September statt. Sie erfolgen häufig in der Nähe der Winterquartiere. Dieses Verhalten dient vor allem der Informationsweitergabe an die Jungtiere.“ Der Nachwuchs lerne so überlebenswichtige Ausweichquartiere in der Umgebung der Winterquartiere kennen, erklärt der Senior-Kurator. „Jedoch kann dieses spezifische Erkundungsverhalten der Art zum Nachteil werden. Immer wieder verunglücken Gruppen, weil sie nicht mehr aus den Invasionsorten herausfinden.“



Die Zwergfledermaus ist wie alle europäischen Fledermausarten in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) gelistet und demnach besonders streng geschützt. Die IUCN stuft die Art aufgrund ihrer Häufigkeit insgesamt als nicht gefährdet (least concern) ein. Dennoch: Obwohl sie die häufigste Fledermausart in Deutschland ist, ist sie unter anderem durch Quartierverluste sowie durch den Einsatz von Pestiziden und die dadurch bedingte Abnahme ihrer Nahrungsgrundlage gefährdet. „Die Intensivierung der Landwirtschaft führt zur Zerstörung kleinräumig strukturierter, insektenreicher traditioneller Agrarlandschaften und zum Rückgang der Verfügbarkeit von Beutetieren“, fasst Alaze die Herausforderungen nicht nur für Zwergfledermäuse zusammen. Die Tiere leiden auch unter Lichtverschmutzung an Schlaf- und Trinkstellen. Es besteht ferner ein hohes Risiko von Kollisionen mit Fahrzeugen. Eine weitere Bedrohung stellen Windenergieanlagen (WEA) dar.



Im Falle einer Invasion, wie zum Beispiel in dem Hotel, sollten Menschen zunächst Ruhe bewahren. „Normalerweise ist die Hilfe von Experten nur dann notwendig, wenn die Fledermäuse geschwächt (zum Beispiel dehydriert) oder verletzt sind sowie wenn sie nicht bis zum Abend geduldet werden können“, sagt Dr. Claudia Normann-Bruckner. „In der Regel ist es ausreichend, am Abend das Fenster bei ausgeschaltetem Licht weit zu öffnen, so dass die Tiere ihr Gefängnis von selbst wieder verlassen können. Wichtig ist zu überprüfen, ob alle Fledermäuse den Raum wirklich verlassen haben. Die kleinen Tiere können sich auch hinter Möbeln, Bildern oder in Vorhängen verstecken. Auch offene Gefäße wie zum Beispiel Vasen können zu Fallen werden.“



Dass der Allwetterzoo Münster bei diesem Einsatz nicht nur beratend tätig war, ist eine besondere Ausnahme. „Wir bitte alle, die ungebetene, verirrte oder verletzte tierische Wildgäste im Haus oder im Garten haben sich an die lokalen Naturschutzorganisationen sowie -behörden und Tierschutzvereine, wie zum Beispiel das TSV Nestwerk Münsterland (https://nestwerk-ms.de), oder wie in dem hier genannten konkreten Fall an den Fledermausschutz (https://www.fledermausschutz.de/2000/01/29/ansprechpartner-munster) zu wenden. Denn wir haben weder die personellen Kapazitäten noch die behördlichen Genehmigungen, hier aktiv werden zu können“, appelliert Seniorkurator Marcel Alaze keine Tiere zum Zoo zu bringen.

Das Foto zeigt Die Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus), die die meistverbreitete europäische Fledermausart sind. Sie ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 25 Zentimetern eine der kleinsten innerhalb ihrer Gattung.



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