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Einst ausgestorbene Vogelart konnte dauerhaft im neuen Habitat wiederangesiedelt werden.

Ende Januar 2024 gingen wahrscheinlich zum letzten Mal vier junge Waldrappe aus dem Zoo Heidelberg ins spanische Jerez de la Frontera, um gemeinsam mit anderen Waldrappen auf ihre Auswilderung vorbereitet zu werden. Im Rahmen des Artenschutz-Projekts „Proyecto Eremita“ wurden regelmäßig Nachzuchten aus europäischen Zoos im Süden Spaniens in die Natur entlassen.



Am 19. März 2024 war es wieder soweit. 39 junge Waldrappe, die in einer großen Voliere in Südspanien fünf Wochen lang gelebt haben, um sich zu akklimatisieren und an den neuen Lebensraum zu gewöhnen, wurden in den freien Lebensraum entlassen. Dort sollen sie sich der bereits angesiedelten Waldrapp-Population, die aus etwa 250 Individuen mit 35 bis 40 Brutpaaren besteht, anschließen. Die Jungtiere stammen aus europäischen Zoos, drei männliche und ein weibliches Tier aus dem Zoo Heidelberg. Bereits seit vielen Jahren werden im Zoo Heidelberg Waldrappe für verschiedene europäische Auswilderungsprogramme erfolgreich gezüchtet. Viele dieser Jungtiere haben mittlerweile in anderen Zuchtgruppen bereits selbst für Nachwuchs gesorgt.



Waldrappe stammen ursprünglich aus Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und dem Nahen Osten und waren auch in Süddeutschland weit verbreitet. Als ursprünglich reine Zugvögel brachen sie im Herbst in den Mittelmeerraum auf, um dort zu überwintern. Da sie im Mittelalter als Delikatesse galten, wurden sie fast überall durch den Menschen ausgerottet. In den 1980er Jahren gab es noch einen kleinen Restbestand von 250 Tieren in Marokko. Die Art wurde von der IUCN weltweit als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.



Aufgrund dieses kritischen Status wurden in Marokko erfolgreich Pläne zur Erhaltung der Art entwickelt. Gleichzeitig wurden in Europa zwei Wiederansiedlungsprogramme entwickelt:
1. Das Waldrappteam hat das Ziel, eine Population von Waldrappen in Süddeutschland und Österreich aufzubauen, die auf natürliche Art im Winter nach Süden zieht. Dazu werden junge Waldrappe aus Zoos und Zuchtstationen von menschlichen Ziehmüttern aufgezogen. Sobald die jungen Waldrappe flugfähig sind, folgen sie ihren Ziehmüttern, die in einem Ultraleicht-Flugzeug sitzen, und lernen so den Weg in das Winterquartier.



2. Das Proyecto Eremita, das eine sesshafte Population in Südspanien etabliert.
Im Jahr 2023 begann die internationale Zusammenarbeit dieser beiden Wiederansiedlungsprojekte mit dem großen Erfolg, dass eine sesshafte Waldrapp-Populationen im spanischen Cádiz und eine wandernde Population in Mitteleuropa etabliert werden konnte. Jetzt können die Waldrappe wieder durch Europa fliegen, von wo sie vor 400 Jahren verschwunden waren.



2024 feiert das Proyecto Eremita sein 20-jähriges Bestehen mit einem Durchbruch: Das angestrebte Ziel, eine sesshafte, stabile Population im Auswilderungsgebiet La Janda aufzubauen, wurde nach Jahrzehnten endlich erreicht. Es wird wahrscheinlich das letzte Jahr sein, in dem Jungtiere aus europäischen Zoos im Rahmen dieses Projektes ausgewildert werden. Die Aufgaben des Artenschutzprojekts konzentrieren sich künftig darauf, die Entwicklung der Population zu dokumentieren, und zwar durch die Überwachung der Vögel, der Futtergebiete, eine jährliche Zählung, die Kontrolle der Fortpflanzung und die Beringung der Küken in den Nestern.



Viele Zoos haben das Proyecto Eremita unterstützt. Die meisten züchteten Jungtiere für die Wiederaussiedlung, andere übernahmen die Kosten für den Transport zum Zoo von Jerez oder schickten GPS-Sender oder Geldmittel für das Projekt. Dieses Beispiel zeigt wieder, welche wichtige Rolle die europäischen Zoos in diesem und vielen anderen Erhaltungsprogrammen spielt. Es zeigt sich aber auch, dass die Wiederansiedlung einmal verlorener Arten ein schwieriger Prozess ist – wir sollten deshalb mit aller Kraft die uns verbliebenen Reste intakter Natur schützen.








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